Musikkulturen des Mittelmeerraums: Ein Überblick
Das Mittelmeer ist seit der Antike ein Raum intensiver kultureller Begegnung – und zugleich ein Raum tiefer Trennungen. Seine Küsten verbinden europäische, nordafrikanische und westasiatische Gesellschaften, seine Musikkulturen erzählen von Handel und Migration, von Herrschaft und Widerstand, von religiöser Vielfalt und nationalstaatlicher Vereinnahmung. Das Seminar fragt, ob und in welchem Sinn sich überhaupt von einer mediterranen Musikkultur sprechen lässt – oder ob wir es mit einem Mosaik eigenständiger Traditionen zu tun haben, die sich an bestimmten Knotenpunkten überlagern.
Nach einer methodologischen Einführung in Schlüsselbegriffe wie Kultur, Kulturraum, Musikkultur, Regionalforschung und Transkulturalität wenden wir uns in Fallstudien ausgewählten Gattungen zu: Flamenco, Fado, Rebetiko, Raï, Maluf, Tarantella und anderen. Dabei steht immer auch die Frage nach den Quellen im Mittelpunkt: Womit arbeitet eine Musikwissenschaft, die nicht primär auf Partituren, sondern auf Feldforschung, Tonaufnahmen und mündliche Überlieferung angewiesen ist? Als gemeinsames Projekt entsteht im Laufe des Semesters eine Topographie der Musikkulturen des Mittelmeerraums.
Das Seminar versteht sich als Baustein zur Auseinandersetzung mit transkulturellen Phänomenen und eröffnet damit eine Perspektive, die über den westlichen Kanon hinausweist, ohne ihn aus dem Blick zu verlieren.