Afrikanische Musikinstrumente
Musikinstrumente sind ein universeller Bestandteil der menschlichen Kultur. Das Studium von Musikinstrumenten hinsichtlich ihrer Geschichte, sozialen Funktion, Konstruktion und Beziehung zur Aufführung ist Gegenstand der Instrumentenkunde bzw. Organologie. Das Seminar befasst sich instrumentenkundlich mit den afrikanischen Musikinstrumenten. Der Titel mag jedoch problematisch sein, da Afrika weder eine kulturelle, ethnisch-demographische noch eine klimatische Einheit darstellt. Der Begriff „Musikinstrument“ setzt eine Definition von Musik voraus, die nicht in allen afrikanischen Sprachen und kulturellen Konzepten vorhanden ist. Es gibt kein Wort, das dem westlichen Konzept von hörbarer „Musik“ direkt entspricht. Stattdessen gibt es verschiedene Begriffe, die jeweils ein spezifisches Verhalten wie Singen, Tanzen und Instrumentenspiel umfassen. Auditive und kinetische Inhalte sind in der Klanggestaltung eng miteinander verbunden. Solche Praktiken sind somit in erster Linie körperbezogen.
In Afrika werden Musikinstrumente oft als Verlängerung des menschlichen Körpers wahrgenommen. Sie sind nicht bloß Werkzeuge zum Musikmachen, sondern kulturelle Artefakte und symbolische Objekte, die Klänge und Geräusche erzeugen und vielfältige Bedeutungen haben. Sie werden aus Materialien hergestellt, die in der natürlichen Umgebung vorhanden sind. Magisch-religiöse Vorstellungen tragen neben dem technologischen Niveau einer sozialen Gruppe wesentlich zum Erscheinungsbild von Instrumenten bei. Insbesondere Instrumente mit anthropomorphen und zoomorphen Figuren werden Kräfte zugeschrieben und die Fähigkeit, das Bewusstsein durch ihre Präsenz und die erzeugten Klänge zu verändern. Der Besitz oder das Spielen eines solchen Instruments kann Macht verleihen. Instrumentalklänge sind in Afrika für viele religiöse und säkulare Rituale unverzichtbar. In einigen Fällen haben Instrumente sogar semantische telekommunikative Funktionen und in anderen Fällen erlangen sie einen ikonischen Status.
Dieses Seminar bietet einen Überblick über die verschiedenen Arten und Formen afrikanischer Musikinstrumente. Es werden nicht nur die morphologischen Aspekte, sondern auch der soziale, kulturelle und religiöse Kontext der Instrumente als Funktions- und Bedeutungsträger betrachtet. Dabei werden sowohl die synchrone geographische Verbreitung als auch die diachronen interkulturellen Transferprozesse der Instrumente innerhalb des Kontinents und über seine Grenzen hinaus thematisiert. Der Beschäftigung mit Musikinstrumenten liegt das Hornbostel-Sachs-Klassifikationssystem zugrunde. Im Seminar werden jedoch auch verschiedene indigene Klassifizierungssysteme betrachtet, die sich an anderen Merkmalen wie Bauweise, mythologischen Konzepten, musikalischer oder gesellschaftlicher Funktion orientieren. Das Seminar beschäftigt sich außerdem mit afrikanischen Musikinstrumenten als kunsthandwerklichen Objekten und ornamentalen Motiven für verschiedene Kunst- und Alltagsgegenstände.
Die verschiedenen Beiträge zu Musik und Musikinstrumenten in afrikanischen Kulturen in MGG-Online, Grove Music Online, oder im ersten Band der Garland Encyclopedia of World Music.